27.Februar 2010

… begann schon im Keller zu keimen.

Christoffel, ein schmuck anzusehendes Kerlchen, musste Schlimmes erleiden,

ehe er von forscher Hand aus einem dunklen Bruchsteinkeller gerettet wurde

und schließlich auch noch seine große Liebe fand.

Unendlich lang, so kam es ihm jedenfalls vor,

lag Christoffel sehr beengt,

inmitten einer Anhäufung unförmiger, knolliger, schäbiger Gestalten,

zusammengescharrt auf nacktem, gestampften Erdboden.

Die knolligen Abkömmlinge eines Nachtschattengewächses,

völlig verunstaltet durch Pocken und Narben,

starrten ihn beständig an mit ihren unzähligen Augen und drängten sich dicht an ihn,

so dass er sich überhaupt nicht rühren konnte,

um auf seine missliche Lage aufmerksam machen zu können.

Eines Tages jedoch ergriff ihn eine starke menschliche Hand und hob ihn vom Boden,

allerdings unter Mißachtung seiner Persönlichkeit,

denn sie warf den hoffnungsvollen kleinen Wicht, ohne irgendeine persönliche Zuwendung,

zu anderen ausgesuchten Knollen in einen roten Behälter und trug diesen ihn ins Licht.

Christoffel hatte trotz der rüden Behandlung das Gefühl,

dass ihm noch etwas besonderes widerfahren würde.

Wieder wurde er, wenn auch nicht mehr so arg beengt, in eine dunkle Kammer gesperrt,

wo er weiterhin in dem roten Behälter, einem Plastikeimer verbleiben musste.

Christoffel bemerkte allerdings, dass unter all den häßlichen Mitbewohnern des Behälters

noch eine weitere Persönlichkeit verborgen war,

zu der er aber, zu seinem Kummer, keinen Kontakt aufnehmen konnte.

Dann kam der Tag der Tage.

Christoffel wusste nicht, wie ihm geschah.

Er wurde zusammen mit einigen Knollen aus dem Eimer gegriffen und erneut ans Licht gebracht.

Sie landeten alle auf einer Arbeitsplatte in der Küche,

neben einer Spüle und gefährlich nahe an einem scharfen Messer.

Den hässlichen Knollen wurden vor seinen Augen,

ja, ok, Christoffel hatte auch ein paar mehr als zwei,

eben all dieselben ausgestochen, die Pocken und Narben entfernt

und dann wurden sie auch noch mit einem Skalpell gehäutet.

Sie sahen dadurch schon wesentlich ansprechender aus,

doch Christopher befürchtete, dass ihm sehr bald das gleiche Schicksal treffen würde.

Doch dann,

er wurde ergriffen und er schrie:

“schau mich doch an, ich bin keine so schäbige Knolle, ich bin ein Mann!

Ich habe Gefühle, ich möche noch etwas erleben!”

Und, oh Wunder es hat gewirkt, er wurde beachtet,

er wurde bewundernd angeschaut und unbeschadet zur Seite gelegt.

Aber es kam noch besser.

Außer seiner Wenigkeit wurde tatsächlich auch noch das herrlichste Wesen,

das man sich, als ein zum Schattendasein verdammter, keimender Jüngling

nur vorstellen kann, aus dem Dunkel ins Licht geholt.

Karo, ausgestattet mit üppigen Kurven, wurde ebenso wie Christoffel,

aus dem Pulk der Knollen befreit.

Er sah sie und war überwältigt bei ihrem Anblick.

Die Küchenfee, die allen häßlichen Knollen eine Schönheits-OP zukommen ließ,

erkannte mit geschultem Auge, dass Christoffel und Karo zu einander gehörten

und gewährte ihnen schöne Momente des Zusammenseins.

Die beiden entwickelten sofort Gefühle füreinander, sie kuschelten innig miteinander.

Es war zum Herz erweichen.

 

So vergönnte die liebe, mitfühlende Küchenfee

den beiden Verliebten auch noch ein Zusammentreffen im Bettchen,

allerdings züchtig unter der Decke.

 

Die Zwei waren einfach nur noch glückselig und wagten voller Freude ein Tänzchen.

Die Küchenfee hatte ein Einsehen,

sie gewärte den beiden in Anmut vereinten Liebenden, eine weitere Daseinsfrist,

denn ihre Herzen schlugen nun einmal füreinander.

Sie dürfen sich noch so lange tief in ihre Augen blicken,

bis auch sie dem Termin auf der Schönheitsfarm

zu einem Ganzkörper-Peeling nicht mehr entrinnen können.

So leben die Beiden noch für einige Tage in liebevoller Umarmung.

 

 

7 Kommentare

  1. 1
    Babba 

    Sehr schöne Liebes-Geschichte!
    Aber bitte gib den Beiden eine Chance sich zu vermehren, indem du sie eng umschlungen in deinem Garten vergräbst.
    - Aber ach wie jammer- jammerschade! Ist ja leider nicht mehr möglich. Hast du die Beiden doch unbedacht ihrer Fortpflanzungs-”Triebe” beraubt.

  2. 2
    donvanone 

    Eine herzerwärmende Geschichte, im wahrsten Sinne des Wortes…

  3. guckma
    3
    guckma 

    Hab im Nachhinein erfahren, dass die hübsche Karo es tatsächlich geschafft hatte, sich schon im Keller bemerkbar zu machen. Der Mensch, zu dem die die starke Hand gehörte, hatte sie entdeckt und bewußt aus dem großen Knollenhaufen erlöst. Er hat die Küchenfee allerdings nicht darüber in Kenntnis gesetzt. Dass Christoffel zufällig und unbemerkt auch unter den ausgewählten Exemplaren war, muß vom Schicksal bestimmt worden sein.

  4. 4
    donvanone 

    Ich hab da noch mehr lustiges Obst und Gemüse gefunden.

  5. guckma
    5
    guckma 

    Das sind ja schöne Früchtchen! Die Budda-Birne ist zwar getürkt, aber sehr originell.
    Hab auch noch eine Frucht in der Reihe.

  6. guckma
    6
    guckma 

    Hab hier auch noch kuriose Früchtchen gefunden.

  1. 7
    Guck ma » Ein weiteres… (via Pingback)

    [...] ihr euch noch an Karo und Christoffel [...]

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